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Vereinsnews 2021

Ein Interview mit der Vorstandsvorsitzenden der UGH: Elke Weber-Braun

Die Welt im Umbruch, Corona- Lockdown und 100 Jahre Universitäts-Gesellschaft in 2022: Ein perfekter Zeitpunkt, um an der UGH-Strategie für die kommenden Jahre zu arbeiten. Nach 6 Monaten intensiver Diskussionen und Überarbeitung der strategischen Ziele ist der Umsetzungsprozess in vollem Gang. Welchen Stellenwert gerade jetzt der Transfer von Wissen hat und welchen Beitrag die UGH zur Stärkung der Allianz zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Hamburg leisten kann, erläutert Elke Weber-Braun, die Vorstandsvorsitzende der UGH im Interview:

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UGH: Warum ist das Thema Transfer von Wissen und Erfahrung gerade jetzt von besonderer Bedeutung?

Elke Weber-Braun: Große Gefahren wie die derzeitige Pandemie und ebenso schnelle und abrupte Veränderungsprozesse lösen sowohl Aufbruchstimmung als auch Ängste aus. Einem Wunsch nach einfachem Rückzug aus der Wahrnehmung aktueller Probleme steht bei vielen Menschen aber auch ein erhöhtes Bedürfnis nach faktenorientierten und relevanten Informationen gegenüber. Eine verständliche und interessante Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist gerade in Krisenzeiten deshalb von besonderer Bedeutung.

UGH: Welche Einflussfaktoren sind entscheidend für die hohe Geschwindigkeit von Veränderungen?

Elke Weber-Braun: Wir leben in einer zunehmend vernetzten Welt. Veränderungen und Innovationen werden durch Digitalisierung gefördert; Data Science und künstliche Intelligenz treiben technologische Lösungen voran mit der Folge schnell steigender Verfügbarkeit und Menge von Daten und erfolgreicher Weiterentwicklung spezieller Methoden der Informationsverarbeitung. KI wird eingesetzt als eine Technologie, die menschliche Fähigkeiten wie sehen, hören, analysieren, entscheiden, handeln nicht ersetzen aber ergänzen und stärken soll.

UGH: Wie reagiert die Universitäts-Gesellschaft auf diese Entwicklungen?

Elke Weber-Braun: KI fördert wissenschaftliche Erkenntnisse, aber sie löst auch Fragen hinsichtlich ethischer Verantwortung aus. Auch alle anderen Zukunftsthemen wie Klimawandel, Artenschutz, erneuerbare Energien, Mobilitätswende und, als wichtige Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung aller Lebensbereiche, auch Bildung sind vielschichtig und vernetzt. Interdisziplinäre Forschung spielt eine wichtige Rolle. Themen dieser Art, die verschiedene hochspezialisierte Wissenschaftsbereiche betreffen, versuchen wir durch exzellente WissenschaftlerInnen der Universität den anderen Bereichen unserer Gesellschaft, z.B. der Wirtschaft, verständlich zu vermitteln, um einen gegenseitigen Austausch und vielleicht auch Zusammenarbeit zu initiieren. Wir machen den gegenseitigen Nutzen dieser Art von Kommunikation deutlich und werben für eine „Allianz zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ in Hamburg.

UGH: Sie sprechen von einer „Allianz zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ in der Stadt. Welchen Beitrag will die Universitäts-Gesellschaft hier leisten?

Elke Weber-Braun: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung der Zukunftsaufgaben in unserer Stadt. Diese Erkenntnis ist weit verbreitet, aber für die konkrete Umsetzung besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Hier sind viele Bereiche der Gesellschaft gefragt. Die Universität engagiert sich mit der neu gegründeten Transfer-Agentur ganz allgemein für den Austausch und das Teilen von Wissen mit Akteuren außerhalb der Universität. Das Thema ist Teil der Exzellenzstrategie. Die UGH will ihre Stärken weiter ausbauen. Dazu gehört insbesondere die Förderung direkter Kontakte zwischen Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Geplant sind neue Veranstaltungsformate, die einen hochkarätigen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen. Dabei denken wir vor allem an mittelständische Unternehmen, die als Treiber von Innovationen eine besonders wichtige Rolle spielen. Sie können von Wissen und Erfahrung der SpitzenforscherInnen der Universität Hamburg und dem Netzwerk der UGH noch stärker profitieren.

UGH: Die Universitäts-Gesellschaft will künftig ein noch breiteres Angebot für junge WissenschaftlerInnen machen. Was ist geplant?

Elke Weber-Braun: Zur satzungsmäßigen Aufgabe der UGH, der Förderung der Wissenschaft an der Universität Hamburg, gehört für uns selbstverständlich auch die Förderung junger WissenschaftlerInnen. Wir vergeben z.B. Preise wie den Professor Herbert Jacob-Preis für herausragende betriebswirtschaftliche Dissertationen, wir vergeben Stipendien z.B. im Rahmen des Deutschlandstipendiums und wir haben eine Vortragsreihe für junge WissenschaftlerInnen in der sie aus ihrer eigenen Arbeit berichten. Aktuell bauen wir für junge WissenschaftlerInnen und Nachwuchskräfte der Wirtschaft eine eigene Veranstaltungsreihe auf, die die „Jungen“ selbst gestalten. Wir wünschen uns natürlich, dass wir damit Interesse und Mitarbeit beim Nachwuchs in Wissenschaft und Wirtschaft aktivieren und auch auf dieser Ebene die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft fördern können. Die erste Veranstaltung findet im Oktober statt.

UGH: Wie bereitet sich die UGH auf das Jubiläum im Jahr 2022 vor?

Elke Weber-Braun: Für das Jubiläumsjahr planen wir in Abstimmung mit wichtigen Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in Hamburg Veranstaltungen zu den großen Themen der derzeitigen Veränderungsprozesse. Wir beziehen in diese Vorbereitungen selbstverständlich unsere „Ex Officio Mitglieder“, den Präsidenten der Universität, den Ersten Bürgermeister und den Präses der Handelskammer ein.

Hamburg, den 20.04.2021

Umzug der Geschäftsstelle der UGH im April 2021

Unsere Geschäftsstelle ist innerhalb des Hauptgebäudes der Universität umgezogen und befindet sich jetzt in Raum 119c. Wir freuen uns, wenn unsere Mitglieder im neuen Geschäftszimmer vorbeischauen, sobald die Corona-Lage dies zulässt.

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Leider können wir die langjährige Bürogemeinschaft mit der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung nicht fortführen. So machte die UGH sich auf die Suche nach einem neuen Domizil und mit freundlicher Unterstützung der Verwaltung der Universität und der Fakultät für Geisteswissenschaften wurde trotz Raumknappheit in der Universität ein Büro gefunden.

Ein Geschäftsstellen-Umzug ist keine so einfache Sache und unter Corona-Bedingungen erst recht nicht. Aber Frau Koscielny nahm alle Hürden, so dass nun alles am Platz steht und die Technik funktioniert. Unsere Anschrift und die Telefonnummer ändern sich nicht.

Wir danken der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung für viele Jahre angenehmer Bürogemeinschaft und dem ESA 1 Service-Team für tatkräftige Hilfe.

Ein Interview mit dem neuen Schatzmeister der UGH: Gerrit Driessen

„Mein Ziel ist es, die Universitäts-Gesellschaft finanziell noch breiter und zukunftsgerichteter aufzustellen.“ So beschreibt Gerrit Driessen seine Agenda für 2021. Driessen ist seit vielen Jahren Mitglied der UGH und wurde gerade vom Beirat neu in den Vorstand gewählt. Als langjähriger Vertriebschef für Norddeutschland bei Jungheinrich kennt er sich aus in der Hamburger Wirtschaft. Warum er einen intensiveren Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gerade jetzt für wichtig hält, erläutert er im Interview.

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UGH: Glückwunsch zur Wahl in den Vorstand der UGH. Sie übernehmen ein besonderes Amt, und zwar das des Schatzmeisters. Haben Sie denn schon mal einen Blick in die Bücher werfen können?

Gerrit Driessen: Schnell und intensiv! Was ich gesehen habe, spornt mich an. Als unabhängiger, gemeinnütziger Verein erhalten wir keine Förderungen und müssen unsere Arbeit vollständig durch Mitgliedsbeiträge, aber auch durch Spenden finanzieren. Die vielen Einzelmitgliedschaften tragen wesentlich dazu bei. Was wir uns zusätzlich wünschen, sind mehr Unternehmensmitgliedschaften und langfristige Förderer. Da möchte ich ansetzen.

UGH: Arbeit im Vorstand der UGH ist ehrenamtliche Arbeit. Warum engagieren Sie sich gerade bei uns? Liegt Ihnen da was besonders am Herzen?

Gerrit Driessen: Schon seit einigen Jahren bin ich Mitglied in der UGH, weil ich den Transferprozess zwischen Wissenschaft und Wirtschaft unheimlich spannend finde. Ebenso spannend finde ich, wie sich Hamburg den Zukunftsaufgaben stellt. Deutschland und insbesondere die Metropolregion Hamburg haben weltweit einen hervorragenden Ruf. Als führende Wirtschaftsnation brauchen wir aber auch weiterhin nachhaltigen und schnellen Fortschritt auf Weltniveau. Hierzu ist Hamburg ein wesentlicher Standort mit der Exzellenz-Universität. Gerade jetzt ist es die Aufgabe der Universitäts-Gesellschaft, die Netzwerke und Transferwege zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum gegenseitigen Nutzen weiter auszubauen.

UGH: Wie sehen Ihre Ziele für 2021 aus? Was wollen Sie als erstes angehen?

Gerrit Driessen: Die Finanzen werden nun mein Kernthema sein, aber auch das Ausloten aller Möglichkeiten, die UGH finanziell noch breiter und zukunftsgerichteter aufzustellen. Hier habe ich einige Ideen, die ich den Mitgliedern auch zeitnah darlegen möchte. Wie gesagt, ohne öffentliche Förderung braucht es gemeinsame Anstrengungen!

UGH: Wie stark helfen Ihnen dabei Ihre jahrzehntelangen Erfahrungen in der Hamburger Wirtschaft?

Gerrit Driessen: Sehr stark! Ich habe im Jungheinrich – Konzern über 30 Jahre in verschiedenen Managementfunktionen gearbeitet, dabei die letzten 13 Jahre verantwortlich für den Vertrieb und Service in Norddeutschland. Diese Erfahrungen geben schon ein gutes Verständnis der Hamburger Wirtschaft und der anstehenden Themen.  Vielen Unternehmen, die für uns als UGH von Interesse sind für den Wissenstransfer habe ich schon geschäftlich kennengelernt. Zusammen mit den Vorstandskolleg*innen werden wir intensiv daran arbeiten, unsere Zusammenarbeit mit der Hamburger Wirtschaft zu intensivieren!

Hamburg, den 26.02.2021

40 Jahre Mitglied der UGH: Ein Interview mit Chemie Prof. Dr. Walter Kaminsky

Erst vor Kurzem hat er eine Gastprofessur in Japan wahrgenommen. Im Mai vollendet er das 80. Lebensjahr. In der UGH engagiert sich der vielfach ausgezeichnete Chemiker seit vier Jahrzehnten, darunter 13 Jahre im Vorstand. Was ihn dabei besonders reizt, ist der Blick über den Tellerrand der eigenen Disziplin.

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UGH: Warum und wann sind Sie in die Universitäts-Gesellschaft Hamburg eingetreten?

Prof. Dr. Walter Kaminsky: Soweit ich mich erinnere, war das Ende der 1970er Jahre. Freunde aus der Chemie, unter anderem Professor Walther, haben mich überzeugt, mich auch in der Universitäts-Gesellschaft zu engagieren. Besonders gefallen hat mir der Blick über den Tellerrand in Form verschiedenster Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen sowie die anschaulichen Exkursionen z. B. zur Sternwarte in Bergedorf oder zum Botanischen Garten. Als Chemiker lagen mir die anderen Naturwissenschaften natürlich besonders am Herzen. Anfang der 1980er Jahre stand der Umzug des Botanischen Garten von Planten un Blomen nach Klein Flottbek auf der Agenda. In den Geistes- und Sozialwissenschaften hörte ich einige interessante Beiträge über die Transformation der Ordinarien in die Gruppenuniversität.

UGH: Womit haben Sie sich hauptsächlich in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigt?

Prof. Dr. Walter Kaminsky: Am Institut für Technische und Makromolekulare Chemie, das 1985 gegründet wurde, haben wir neue Materialien, hauptsächliche Kunststoffe, synthetisiert. Besonders wichtig war uns das Thema Recycling. Damit waren wir unserer Zeit deutlich voraus. Hierüber habe ich auch in der Universitäts-Gesellschaft vorgetragen. Außerdem entwickelten wir einen neuen, umweltfreundlicheren Katalysator für die Produktion von Polyolefinen.

UGH: Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg durchläuft aktuell einen tiefgreifenden Wandel. Aufgrund der Corona-Pandemie bieten wir seit Sommer 2020 regelmäßig Digitalevents an. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Prof. Dr. Walter Kaminsky: Ich begrüße die aktuelle Entwicklung. Die Universitäts-Gesellschaft sollte immer am Puls der Zeit bleiben. Auch die Förderung begabter Studierender durch das Deutschlandstipendium finde ich wunderbar. Trotzdem vermisse ich sehr die traditionellen Vortragsabende mit dem obligatorischen Glas Wein am Ende und hoffe sehr, dass wir uns bald wieder ‚in echt‘ treffen können.

UGH: Wie wir vernommen haben, engagieren Sie sich auch in Japan für chemische Forschung. Bitte berichten Sie uns kurz davon!

Prof. Dr. Walter Kaminsky: Ja, das ist richtig. Kürzlich habe ich eine Gastprofessur an der Privatuniversität in Kanazawa wahrgenommen. In der dortigen chemischen Fakultät gibt es einen Schwerpunkt auf Katalysatoren, was zu meiner eigenen Forschung sehr gut passt. Die Arbeit mit den japanischen Studierenden macht mir sehr viel Freude. Sie sind unfassbar diszipliniert und engagiert.

Hamburg, den 18.02.2021

Veranstaltungen

Diskutieren Sie spannende Themen aus Forschung und Wissenschaft.

Wissenschaftspreise

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Engagement

Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg engagiert sich in vielfältigen Projekten.