News zum Engagement

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Universitäts-Gesellschaft unterstützt Doktoranden-Wettbewerb

Ein Interview mit der Siegerin der „Three-Minute-Thesis“ der Hamburg Research Academy

 Unterstützt durch die Universitäts-Gesellschaft Hamburg fand am 28. Juli 2022 ein Wettbewerb statt, der vom Promovierenden-Rat der Hamburg Research Academy veranstaltet wurde. Bei der „Three-Minute-Thesis“ waren Doktorandinnen und Doktoranden aufgerufen, ihre Promotionsprojekte in nur 180 Sekunden zu präsentieren. Eine wissenschaftliche Forschungsarbeit in drei Minuten darzulegen, erfordert Komplexitätsreduktion ohne Verzicht auf das Wesentliche. Eine solche Leistung ist wichtig für den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Daher lobte die Universitäts-Gesellschaft Hamburg als Preise für die drei besten Vortragenden eine beitragsbefreite UGH-Mitgliedschaft für das kommende Jahr aus. Siegerin des Wettbewerbs wurde Dipl. Jur. Hannah Franz, die an der Universität Hamburg ein Promotionsprojekt über die Anordnung von Abschiebungshaft verfolgt. Im Interview erläutert UGH-Neumitglied Frau Franz ihr Forschungsvorhaben.

Nach dem Abitur an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel studierte Hannah Franz (geb. 1996) Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School in Hamburg und an der University of Queensland in Brisbane, Australien. Seit April 2021 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Gabriele Buchholtz an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Universität Hamburg. Sie verfolgt ein Promotionsprojekt zum Thema „Der Zugang zum Recht für Menschen ohne Aufenthaltsstatus im Abschiebungshaftanordnungsverfahren“. Frau Franz engagiert sich seit 2016 in der ehrenamtlichen Rechtsberatung für marginalisierte Gruppen. Die Diplom-Juristin, die in ihrer Freizeit Saxofon in einer Big Band spielt, ist seit August 2022 Mitglied der Universitäts-Gesellschaft Hamburg.

Frau Franz, wie gewinnt man einen Three-Minute-Thesis-Wettbewerb?
Ich denke, es ist wichtig, das Thema überzeugend und verständlich darzustellen. Mein Forschungsprojekt weist wichtige gesellschaftspolitische Bezüge auf und lässt sich dadurch gut allgemeinverständlich aufbereiten. Auch konnte ich durch den von mir gewählten Einstieg, in dem ich das Publikum durch einen persönlichen Bezug in die Lage der Betroffenen versetzt habe, sowie durch die grafische Präsentation meiner Datengrundlage einen gewissen Schockmoment hervorrufen, sodass ich mir der Aufmerksamkeit sicher sein konnte.

Was ist das Ziel Ihrer Dissertation?
Ich untersuche den Zugang zum Recht für Menschen ohne Aufenthaltsstatus in Abschiebungshaft. Konkret befasse ich mich mit der Anordnung von Abschiebungshaft in Deutschland, also der Inhaftierung zum Zwecke der Sicherstellung der Durchführung der Abschiebung. Die Idee für das Forschungsprojekt geht zurück auf meine Erfahrungen aus der Rechtsberatung von Menschen, die von Abschiebungshaft betroffen sind. In der anwaltlichen Praxis wird davon ausgegangen, dass in etwa 50 Prozent der gerichtlich überprüften Fälle die Haftanordnung rechtswidrig ist und die Betroffenen im Mittel fast einen Monat zu Unrecht inhaftiert sind. Ich untersuche, inwieweit das Haftanordnungsverfahren den Verfahrensgrundrechten der Rechtsschutzgarantie, dem Recht auf ein faires Verfahren und dem Recht auf rechtliches Gehör entspricht. Außerdem werde ich Reformmöglichkeiten des geltenden Abschiebungshaftrechts aufzeigen und diskutieren.

Was ist die Datengrundlage Ihres Dissertationsprojekt?
Es gibt derzeit keine offiziellen Daten zur Rechtswidrigkeitsquote der Abschiebungshaftanordnungen. Insbesondere erheben die Gerichte keine Statistik dazu, wie häufig die Inhaftierungen einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Die wichtigste Grundlage meiner Forschung ist daher meine Auswertung von BGH-Urteilen. Für das Jahr 2021 hat diese Auswertung gezeigt, dass die Rechtswidrigkeitsquote bei 54 Prozent lag. Natürlich muss bedacht werden, dass nur solche Fälle vom BGH entschieden werden, bei denen zuvor ein Rechtsbeistand die Weiterverfolgung als erfolgsversprechend eingeschätzt hat. Allerdings sind es aber auch gerade die Fälle, bei denen in der Vorinstanz noch eine Rechtswidrigkeit verneint wurde. Der Verfahrensausgang vor dem BGH ist damit also nicht von vornherein eindeutig. Wirklich verlässliche Zahlen können nur erhoben werden, wenn jede ergangene Haftanordnung gerichtlich überprüft werden würde und die Gerichte Statistiken über die Verfahrensausgänge führten. Eine entsprechende vollumfängliche Überprüfung aller Haftanordnungen ist jedoch bei der hohen Inhaftierungszahl und einer fehlenden anwaltlichen Pflichtverteidigung in absehbarer Zeit nicht erwartbar.

Sie möchten mit Ihrer Arbeit Reformvorschläge für einen von Ihnen wahrgenommenen Missstand anbieten. Wo verläuft die Grenze zwischen Rechtswissenschaft und politischer Arbeit?
Das ist eine komplexe Frage, zu der ganze Aufsätze verfasst werden könnten. Eine klare Grenze zu definieren, ist schwierig. Die Grenzen zwischen rechtswissenschaftlicher Expertise und politischem Einfluss sind oft fließend und beide Bereiche bedingen sich gegenseitig. Im Mittelpunkt steht dabei oft die Frage, inwieweit sich die Forschenden in den politischen Diskurs einbringen. Wenn sie in ihrer Forschung – so wie ich mit meiner Dissertation – Reformbedarf und konkrete Reformüberlegungen aufzeigen und damit Einfluss auf den politischen Entscheidungsgang nehmen (können), so ist die Rechtswissenschaft oft Grundlage für politisches Handeln. Inwieweit sich die Forschenden dann abgesehen von der wissenschaftsbasierten Grundlage selbst engagieren oder ihre Forschung Aktivistinnen und Aktivisten zur Verfügung stellen, ist dann eher eine individuelle Frage.

Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg stärkt den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Was wünschen Sie sich zur Stärkung dieses Transfers?
Themengebiete, die außerhalb der gesellschaftlichen Wahrnehmung stehen, werden oft auch wissenschaftlich kaum beleuchtet. Das Interesse der Gesellschaft orientiert sich naturgemäß maßgeblich daran, was einen Großteil der Bevölkerung betrifft. Gerade mein Dissertationsgegenstand befasst sich mit einem gesellschaftlichen Randgebiet. Menschen, die von Abschiebungshaft betroffen sind, werden oft (noch) nicht als Teil unserer pluralistischen Gesellschaft wahrgenommen. Ich würde mir wünschen, dass vermehrt auch Themen in den Fokus genommen werden, die nicht die große Bandbreite der Bevölkerung aktiv betreffen, aber für die Betroffenen und für unsere demokratische, rechtsstaatliche und soziale Werteordnung von großer Bedeutung sind. Dabei sehe ich die Aufgabe von Institutionen wie der Universitäts-Gesellschaft Hamburg darin, auch in vermeintlich marginalen Fragen den Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken.

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Neues Cross-Company-Mentoring-Programm der Universitäts-Gesellschaft Hamburg

Caroline Kutscha von der Haspa im Interview

UGH: Liebe Frau Kutscha, Sie bauen seit kurzem für die Haspa den Bereich der Außenhandelsfinanzierungen für Unternehmenskunden auf und engagieren sich im Mitarbeiternetzwerk wo*men@haspa innerhalb der Haspa, perspektivisch auch über Ihre Unternehmensgrenze hinweg für das Cross-Company-Mentoring-Programm der Universitäts-Gesellschaft Hamburg – wie kam es dazu?

Caroline Kutscha: Wie so viele Großunternehmen durchläuft auch die Haspa gerade einen enormen Wandlungsprozess. Viele Strukturen werden aufgebrochen, Hierarchien um- und abgebaut. Das bedeutet, dass sich alle Mitarbeiter:innen neu orientieren müssen, jüngere wie ältere. Gerade in solchen Phasen können Mentoring-Programme und Impulse von außen unglaublich hilfreich sein.

Da ich schon recht lange in Hamburger Business-Netzwerken aktiv bin, lernte ich vor 3 Jahren Manuela Rousseau kennen, aus dem Vorstand der UGH. Zudem war sie Gast auf einer unserer Netzwerkveranstaltungen. Sie erzählte uns vom Mentoring-Programm der Universitäts-Gesellschaft und machte uns mit Silke Richter bekannt. Wir waren begeistert und entschieden uns, das von der Universitäts-Gesellschaft angebotene Cross-Company-Mentoring als ein gemeinsames Projekt zu nutzen. Die Haspa ist ja ein langjähriges Unternehmensmitglied, das die Aktivitäten mithilfe von Spenden unterstützt hat.

UGH: Im ersten Schritt integrieren Sie sich in das bestehende Mentoring-Programm für Studendierende, das bedeutet zunächst, dass Haspa Mentor:innen Studendierende begleiten und Ihre Mentees vom Mentor:innen-Pool des UGH profitieren– richtig? Wie werden diese ausgewählt?

Caroline Kutscha: Ja, genau, bei uns stehen nicht nur die Potenzialträger im Fokus, sondern alle. Seit Dezember konnten sich Interessierte für beide Rollen bewerben. Wichtige Kriterien für uns waren die Vielseitigkeit der Bewerber:innen – vor allem bei den Mentor:innen und die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren. Insgesamt haben wir 6 Teilnehmer:innen, 3 Mentees und 3 Mentor:innen ausgewählt, die sich ein Jahr lang austauschen werden. Bei Erfolg des Piloten möchten wir das Programm ausweiten und mit weiteren Hamburger Unternehmen das Cross-Company-Mentoring-Programm gemeinsam mit der Universitäts-Gesellschaft weiter ausbauen.

UGH: Wie wird das Mentoring-Programm genau ablaufen? Welche Services bieten Sie?

Caroline Kutscha: Das Rahmenprogramm gestaltet die UGH, d.h. drei Veranstaltungen, die dem allgemeinen Austausch mit allen Mentor:innen und Mentees dienen. Wie häufig sich die Paare in der Zwischenzeit austauschen, liegt an ihnen selbst. Wir möchten von diesem Pilotprojekt für die Zukunft lernen und das Programm weiter ausfeilen. Die Nachfrage war für den ersten Durchgang erstaunlich gut – wir haben durchweg positives Feedback erhalten. Darauf werden wir aufbauen!

Lesen dazu auch das Statement von Dr. Harald Vogelsang.

Erste Präsenzveranstaltung zur Vernetzung der Mentor:innen und Mentees am 9. November 2021

Ehrlichkeit, aber auch „Bauchgefühl“ sind die Bausteine eines guten Mentorings, so Heino Trusheim, der die erste Vernetzungsveranstaltung der Mentor:innen und Mentees als Stand-up-Comedian bereichert hat.

Zum ersten Mal seit Start des Programms „Mentoring bewegt Karrieren“ trafen sich zirka 40 Mentor:innen und Mentees  am 9. November 2021 persönlich. Die Veranstaltung fand statt in den Räumlichkeiten von Hammerbrooklyn, eine Factory mit Räumen für innovatives und inspirierendes Netzwerken.

Nach kurzweiligen Vorträgen blieb Zeit an Flipcharts Feedback zu dem Programm zu geben, aber vor allem auch zum aktiven Netzwerken. Netzwerken: gelungen, doch die Zeit verging viel zu schnell.

Unser Echo zum Programm

Mentor:innen und Mentees berichten

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Dr. Frank Heideloff

Mentor, COO Crearene AG

„Gerade in kontaktarmen Corona-Zeiten bereichern die Begegnungen des Mentoring-Programms der Universitäts-Gesellschaft Hamburg gleich in zwei Richtungen. Mentoren wie Mentees profitieren, da die Frage nach einem Meistern einer anspruchsvollen Situation ja in diesen Zeiten für alle von uns neu gestellt wird. Insofern ist der Austausch, unterstützt durch ein phantastisches Matching, für alle Beteiligten ein immer wieder neu gelingender Perspektivenwechsel – was wäre wenn? wie könnte es auch noch gehen? was hat schon mal funktioniert? was ist davon (noch) transferierbar? welchen meiner Lebensentwürfe darf / kann / sollte ich umsetzen? Herzlichen Dank an meinen Mentee, der mir mit seiner Forschung ein anderes Fenster auf Private Equity eröffnet hat, eine Branche mit der ich schon über 20 Jahre immer wieder beruflich zu tun habe...

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Anja Neubauer

Mentorin, Head of Global Project Management, Beiersdorf AG

„Im zweiten Jahr meiner Teilnahme an dem Mentoring Programm zusammen mit der Universitäts-Gesellschaft Hamburg und der Hamburger Uni bin ich erneut begeistert über das außergewöhnliche Engagement und die ausgeprägte Lern Begeisterung unserer Nachwuchs Generation! Auch mich inspiriert der regelmäßige Austausch mit meinem Mentee, immer wieder neu und anders zu denken. Vielen Dank an die Universitäts-Gesellschaft für dieses großartige Programm.

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Martina Sandrock

Mentorin, connect & innovate, Selbstständige Unternehmerin und Multi-Beirätin

“Das Mentoring Programm der Universitätsgesellschaft Hamburg nimmt den in seiner Bedeutung wachsenden Ausbildungs-Faktor auf, nicht nur Wissen, sondern auch wichtige (Lebens- und Karriere-) Erfahrungen weiterzugeben. Das überzeugt mich, für diesen Zweck engagiere ich mich mit Leidenschaft.”

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Josh Becker

Mentee, Student

„Der Austausch mit meinem Mentor hat mir hinsichtlich meines anstehenden Bewerbungsprozesses sehr dabei geholfen, zu reflektieren, was mir Spaß macht, wo meine Stärken liegen und wo ich diese am besten einbringen könnte. Zudem hat mein Mentor mir beim Networking geholfen, indem er den Kontakt zu seinem Netzwerk hergestellt hat, was mir sowohl für meine Masterarbeit als auch für den anschließenden Berufseinstieg interessante neue Einblicke ermöglicht hat.“

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Melanie Büssgen

Mentee, Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Doktorandin am Hamburg Center for Health Economics, Bereich Arzneimittelzulassung und Preisbildung von Medikamenten

„Das Management Mentoring Programm bietet uns die Möglichkeit von erfahrenen Führungskräften aus der Industrie zu lernen (in meinem Fall: Beiersdorf). Wir sprechen über Themen wie „Business & Management“ oder „Projektmanagement & Leadership“. Durch die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen können wir außerdem unser Netzwerk erweitern. Ich bin froh, Teil des Management Mentoring Programms zu sein und freue mich auf weitere interessante und lehrreiche Gespräche.“

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Kira Conen

Mentee, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, Fakultät für BWL

„Das Mentoring-Programm bietet eine praxisnahe Ergänzung zu meiner theoretischen Auseinandersetzung mit der Personalwirtschaft als Promotionsstudentin. Die individuelle Betreuung durch die jeweiligen Mentoren gestaltet sich flexibel, je nach den Bedürfnissen des Mentees. Dies ermöglicht ebenso eine Auseinandersetzung mit spezifischen Themen, wie das vertiefte Behandeln individueller Betreuungsgebiete. Zudem bietet das Programm die Möglichkeit, sich mit anderen Mentoren und Mentees auszutauschen. So profitieren alle von den Erfahrungen anderer Teilnehmer und das eigene Netzwerk wird erweitert.“

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Maxine Materne

Mentee, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing & Customer Insight

„Der große Vorteil des Mentoring-Programms ist, dass der Mentor auf Basis eines Vorgesprächs ausgesucht wird. Dadurch konnte ich mit meinem Mentor sehr schnell über konkrete Ideen sprechen und von seinen Erfahrungen profitieren.“

Veranstaltungen

Diskutieren Sie spannende Themen aus Forschung und Wissenschaft.

Wissenschaftspreise

Junge Wissenschaft fördern und Forschung und Praxis miteinander verbinden.

Engagement

Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg engagiert sich in vielfältigen Projekten.