100 Jahre Universitäts-Gesellschaft Hamburg

„Universitäts-Gesellschaft wichtiger denn je!“

Interview mit der Vorsitzenden Elke Weber-Braun zum 100sten Geburtstag der UGH

Hamburg hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutende Wissenschaftler:innen und angesehene wissenschaftliche Einrichtungen, aber die Stadt war vor allem eine sehr erfolgreiche und weltweit bekannte Handelsmetropole – und Hamburg hatte keine Universität wie andere Orte der Wissenschaft. Die Gründung der Universität Hamburg im Jahr 1920 war umstritten. 1922 gründeten deshalb Hamburger Kaufleute und Wissenschaftler die „Gesellschaft von Freunden der Hamburger Universität“ mit dem Ziel, „ein Zusammenwirken der Universität mit dem hamburgischen Bürgertum, insbesondere der hamburgischen Kaufmannschaft zum Nutzen sowohl der Wissenschaft als auch der praktischen Berufe herbeizuführen.“ Die Mitglieder der Gesellschaft haben die junge Universität viele Jahre mit großem Einsatz und erheblichen Mitteln unterstützt. Die Entwicklung der Universität war über die Jahre von Höhen und auch von Tiefen geprägt, insbesondere aus politischen Gründen, aber die Entwicklung war insgesamt erfolgreich. 100 Jahre später gehört die Universität Hamburg nicht nur zu den größten Hochschulen des Landes, sondern auch zu den besten. Sie hat sich den Status einer Exzellenzuniversität erarbeitet.

© privat

UGH: Frau Weber-Braun, heute kann man Hamburg zu Recht als Wissenschaftsmetropole und Stadt der Wissenschaften bezeichnen. Braucht es da noch die Hamburger Universitäts-Gesellschaft oder ist der Auftrag, den die Gründer der UGH gegeben haben, inzwischen erfüllt?

Elke Weber-Braun: Eine Universität braucht auch eine engagierte Universitäts-Gesellschaft. Die Ziele, Aufgaben  und die Organisation der diversen Universitäts-Gesellschaften in Deutschland sind zwar unterschiedlich, aber alle passen sich den Besonderheiten „ihrer“ Universität und den aktuellen Entwicklungen an.

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und gewaltigen Herausforderungen, die wir als Gesellschaft nur gemeinsam bewältigen können. Der Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Forschung und Lehre mit der Praxis und den Forschungsbereichen in der Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft und der Politik, ist dabei von zentraler Bedeutung. Wir sprechen heute von „Wissenstransfer“, wenn es um den so wichtigen Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft geht. Zur Förderung dieses Transfers sind die Aktivitäten der UGH und ihrer Mitglieder wichtiger denn je.

UGH: 100 Jahre sind ein Grund zu feiern. Was erwartet Mitglieder, Freunde und Freundinnen der Universitäts-Gesellschaft 2022 im Jubiläumsjahr?

Elke Weber-Braun: Wir vermitteln Wissen und wir vernetzen – das werden wir auch in unserem Jubiläumsjahr mit großem Engagement tun. Wir geben zu Zukunftsthemen aus den Bereichen Klima, Energie und Medizin exzellenten Wissenschaftler:innen und bedeutenden Unternehmen ein Podium, um ihre Forschungs- und Anwendungsthemen vor einem breiten Publikum in der Stadt zu präsentieren und zu diskutieren. Wir diskutieren auch das Thema „Akzeptanz“, ein Thema, das z.B. aktuell besonders im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie von Bedeutung war und ist, aber für die erfolgreiche Verbreitung und Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen weit über diesen Bereich hinausgeht. Außerdem erweitern wir unser Angebot für junge Wissenschaftler:innen und junge Führungskräfte der Wirtschaft im Rahmen unserer Mentoring-Programme und Veranstaltungsreihen. Das „Junge Podium“ wird sich z.B. im Mai auch mit dem Thema Existenzgründung befassen. Und wir vergeben in beachtlichem Umfang Deutschland-Stipendien – dank des besonders großen Engagements einiger Mitglieder unserer Gesellschaft.

UGH: Höhepunkt des Veranstaltungsjahres wird die ganztägige „Zukunfts-Konferenz“ im November sein. Mit welchen Schwerpunkten?

Elke Weber-Braun: Im Kern geht es um nachhaltige Zukunftstechnologien in den Bereichen Klima, Medizin und Energie und das Thema der wirksamen Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Bedeutende Wissenschaftler:innen der Universität, einschließlich des neuen Präsidenten Prof. Heekeren, beteiligen sich an der Darstellung und Diskussion innovativer Technologien und ihrer Bedeutung für die Zukunft der Gesellschaft und der Wirtschaft.

Wissenschaftler aus dem UKE und die Dekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Blanche Schwappach-Pignataro, sprechen über „3D-Gewebesysteme zum Verständnis der Biologie und Behandlung von Krankheiten“. Das Thema „Akzeptanz“ wird in einem hochrangig besetzten Panel von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert. Unsere Zukunftskonferenz steht unter der Schirmherrschaft von Senator Michael Westhagemann, Präses der Behörde für Wirtschaft und Innovation der FHH. Wir veranstalten die Konferenz gemeinsam mit der Handelskammer. Die großzügigen Räume der Kammer bieten Möglichkeiten auch für Präsentationen von Unternehmen und die Pflege und den Aufbau interessanter Kontakte. Wir sind dem Präses der Kammer, Prof. Aust, und dem Geschäftsführer, Dr. Heyne, sehr dankbar für die exzellente Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Konferenz und für die Unterstützung durch den Bereich Innovation und Umwelt.

UGH: Die Universitäts-Gesellschaft schaut also nach vorn im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens. Was braucht die UGH, um ihre Aufgaben auch im 21. Jahrhundert erfolgreich bewältigen zu können?

Elke Weber-Braun: Selbstverständlich sind wir auf Zukunftsthemen fokussiert, basierend auf den Erkenntnissen und Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen – und das in einem immer komplexer werdenden Umfeld. Unsere Arbeit ist nur möglich dank des bürgerschaftlichen Engagements unserer Mitglieder. Unsere Mitglieder sind in großem Umfang ehrenamtlich für die UGH tätig. Wir freuen uns über jede und jeden der mitmacht. Neben dem ehrenamtlichen Engagement brauchen wir natürlich auch finanzielle Unterstützung. Auch hier leisten unsere persönlichen Mitglieder viel, aber nicht ausreichend viel für die Erfüllung unserer Aufgaben. Für eine ausreichende finanzielle Unterstützung brauchen wir insbesondere auch engagierte Unternehmen, Stiftungen und andere Organisationen, die ähnliche Interessen verfolgen wie wir. Es geht immer darum, eine Win-Win-Situation herzustellen für alle Beteiligten. In diesem Sinn freuen wir uns auch über die enge Zusammenarbeit mit der Handelskammer, die viele Ideen und Leistungen in unsere Jubiläumsveranstaltung und unser Programm einbringt, u.a. Ideen aus ihrer Standortstrategie „Hamburg2040“.

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